Deltaclub Interlaken

Delta- und Gleitschirmclub Interlaken

Das Comeback

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Ich bin nie sehr viel geflogen. Zuerst nicht, weil ich beruflich ziemlich ausgelastet war und nur an den Wochenenden in die Luft konnte.

Meistens war aber, wenn ich gekonnt hätte schlechtes Wetter, oder aber es war so schön, dass auch alle andern in die Luft wollten. Was ich aber nicht ausstehen kann, ist so viel Tuch in der Luft, dass an ein entspanntes Fliegen nicht mehr zu denken war. Stress hatte ich im Beruf genug und brauchte diesen Kick nicht auch noch beim Ausüben meines Hobbies. Ich glaubte, nach meiner Frühpensionierung würde sich das radikal ändern und ich könnte das Wochenend-Fliegen der arbeitenden Bevölkerung überlassen. Bereits im ersten Jahr musste ich feststellen, dass durch alle andern Verpflichtungen und Interessen auch nicht viel mehr Flüge zusammenkamen. In den letzten zwei Jahren war es dann soweit, dass kein einziger Flug Eingang in mein Flugbuch erhielt. Über die Gründe dafür möchte ich mich hier nicht genauer äussern. Tatsache war, dass ein frisch gefalteter Notschirm und ein von Advance überprüfter Epsilon während 25 Monaten ein tristes Dasein im Packsack zuunterst im Kellerschrank verbrachten.

 

Ich war froh, dass es nun bereits wieder Herbst war und ruhige Verhältnisse vorherrschten, da ich ja nicht gerade mit Hammerthermik wieder einsteigen wollte. Aber immer wieder hatte ich andere "Verpflichtungen" und so wartete ich auf die günstige Gelegenheit. Es vergingen Tage mit Schirmen in der Luft, während ich von unten in den Himmel starrte und mich Narr schimpfte, weil ich wieder nicht abgehoben habe. War es Angst, die mich daran hinderte den Schirm auf den Rücken zu schnallen und einfach Fliegen zu gehen? Angst von der ich immer sprach, dass sie beim Fliegen nichts verloren habe, da Angst lähme und die ganze Sache unsicher mache. Respekt müsse man schon haben, dozierte ich im Freundeskreis, aber für Angst habe es absolut keinen Platz. Anlässlich der "Season End Party" des DCI schilderte ich mein Dilemma Theo Ritz und Bruno Rupp. Beide erklärten sich bereit, mir am nächsten fliegbaren Tag den zwingend nötigen Kick zu geben und mich zu aktivieren. Bereits der Mittwoch in der Woche darauf versprach ein schöner ruhiger Tag zu werden. Theo rief mich prompt an und ich packte nach einigem Zögern die Flugsachen zusammen und begab mich zur Bushaltestelle.

 

Ich muss zugeben, dass ich irgendwie noch gehofft habe, der Nebel würde sich nicht auflösen und so einen Flug unmöglich machen. Er machte mir diesen Gefallen nicht, im Gegenteil. Ein wunderschöner Tag mit wenig Wind und blauem Himmel präsentierte sich am Mittag. Da ich in unserer kleinen Überbauung meine Hauswartpflichten erledigen musste, wurde es ziemlich knapp, um das 12:08 Uhr Poschi zu erreichen. Es brauchte schon noch das gute Zureden von Eveline, bis ich meinen Schirm schulterte und zur Bushaltestelle marschierte. Ist das nun Angst oder Respekt? Ich würde ja das Gesicht nicht verlieren, wenn ich von ungeeigneten Windverhältnissen erzählen würde, wenn ich wieder mit der Post herunterfahren würde. Nein, sagte ich mir, jetzt ziehst du das durch und freust dich auf einen kurzen Gleitflug hinunter ins Lehn, wobei natürlich die Präsenz von Theo das Seine dazu beitrug, nicht wieder zu kneifen.

 

Also packe ich meinen Rucksack wieder und wir marschieren zielstrebig zum Startplatz Amisbühl. Ich sortiere die Leinen besonders sorgfältig, gehe sozusagen jeder einzelnen nach, um ja keinen Knoten beim Starten zu riskieren. Endlich im "Gstältli" eingehängt, Startcheck gemacht, konnte es losgehen. Spüre ich da ein leichtes Kribbeln in der Bauchgegend? Schlottern doch nicht etwa die Knie? Nein, es ist Vorfreude und Konzentration auf den Start. Nochmals Blick zum Windspion und in den Luftraum und los. Die mangelnde Routine macht sich bemerkbar und ich reagiere zu spät, als der Schirm etwas schräg hoch kommt. Ich lasse ihn zu Boden sinken und schäme mich. Hilfreiche Kollegen richten mir das Tuch wieder und dem zweiten Versuch steht nichts mehr im Wege. Der Schirm steigt schön hoch, anbremsen, Blick in die Kappe und schon habe ich den Bodenkontakt verloren. Hei, ich fliege, denn der zweite Start hat wunderbar geklappt. Warum habe ich nur so lange gewartet, bis ich dieses Gefühl wieder mal geniessen konnte?

 

Auch Bruno hat mich heute angerufen, mich allerdings während der Vorbereitungen zum Flug nicht erreicht; ich habe seinen Anruf erst am Abend zurückbestätigt und mich bedankt.

 

Danke Theo - danke Bruno.

 

 

Otto Steffen

 

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